Bele Bachemüber sich selbst
Mein Vater gab mir die Flasche und hat mich gewindelt. Er war Maler. Fast
die erste Hälfe meines Lebens verbrachte ich mit ihm. Wir lasen zusammen
Balzac, Maupassant, Rimbaud - Proust ließen wir aus -, hingegen gab es
noch Haeckel und Hexenprozesse. Wir lebten in einem Glasfensterhaus, der
Garten war wild und romantisch. Mein Vater kochte gerne und sein Sinn
für Leckerbissen ging über die häsliche Küche, in der meine
Mutter wie das Standbild eines ängstlichen Engels harrte, hinaus. So
wurde ich noch taufrisch an fremde Busen gedrückt. Die Auswahl mehrerer
Mütter - meist schöner - war mir jedoch keineswegs unlieb.
Die Reise von Düsseldorf, wo ich zu Hause war, nach Berlin war weit.
Ich lauerte auf die zwanziger Jahre, über die soviel geredet wurde.
Aber als ich in Berlin ankam war Nazizeit.
Ich hatte mich in einer Porträtklasse einschreiben lassen. Fiel bald
meiner Fantasie wegen auf und bekam einen Extratisch, an dem ich ohne
Korrekturen tun konnte was ich wollte.
Ich bin mit einem eigenen Stil geboren - allem Suchen danach war ich
enthoben. Die Presse entdeckte mich bald. So wurden schon in der
Akademiezeit in Zeitschriften Bilder publiziert und der Verlag Woldemar Klein
veröffentlichte eine Jahreszeitenserie, die es noch vor kurzem in
Postkarten gab. Das war schön für mich. Ich bekam viele
Aufträge, wurde überall eingeladen, und Falckenberg aus München
holte mich zu einem Bühnenbild. Völlig ahnungslos ging ich daran.
Es wurde ein Erfolg.
Doch die Nazis mochten meine Arbeiten nicht, so wie ich die Nazis nicht
mochte. Schnurstracks wurde jede Veröffentlichung verboten. Ich war
damals 22 Jahre alt. Nach dem Krieg erinnerten sich die Intendanten wieder
meiner. So machte ich in vielen Städten Bünenbilder. Man holte
mich für Porzellan, ich illustrierte einen Unmenge Bücher
(schrieb auch 2), machte Filmvorspanne, Plakate usw.
Es ist, finde ich, kaum verständlich, daß ein Mensch, statt
sich das Leben leicht zu machen, malt, denn über jedem Maler schwebt,
unerreichbar hoch, die Kunstgeschichte mit Tintoretto, Greco, dem Riesen
Michelangelo.
Alle Weltuntergänge nahm Goya vorweg. Wie sollte man die stille
Harmonie Vermeers erreichen oder Boticellis, Degas Strenge ? Es
gehört die Verwegenheit des Naiven dazu, das Malen zu wagen.
Fantasie, Beobachtung, scharfe Kritik muß sein, etwas Philosophisches
und eine große Portion Vitalität. Von Farb- und Raumgefühl
nicht zu schweigen.
Je länger man malt, desto mehr ist man Lehrling.
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